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Tradition und Moderne Klima Literatur

Menschen zwischen Tradition und Moderne

Musiker und Tänzer/innen auf einem traditionellen Fest.Hier erfahren Sie etwas über die Geschichte Portugals und den Einfluss, die sie heute auf das Land hat.

Portugal liegt im Südwesten der Iberischen Halbinsel. Diese Lage hat das Land enorm beeinflusst. Seit 1143 unabhängig, ist eines der ältesten Nationen Europas. Die Stadt Guimarães in Nordportugal gilt als die Wiege Portugals. D. Afonso Henriques, der erste König, erhält Hilfe von Kreuzrittern aus Nordeuropa, die mit ihm zusammen die Araber immer mehr in Richtung Süden vertreiben und Städte wie Santarém, Lissabon und Sintra erobern. Der König gesteht den religiösen Orden wichtige Privilegien zu. Die Zisterzienser spielen eine große Rolle. Diesen genehmigt der König die Gründung des Klosters von Alcobaça (Mitte Portugal).

Casa da Musica in Porto.Im Jahre 1415 begann die große Seefahrttradition der Portugiesen. Sie entdeckten als erste den Seeweg nach Indien, Asien und Brasilien. Damit begann die portugiesische Expansion. Eingeleitet wird die Expansion mit der Expedition nach Ceuta in Nordafrika. Die Vorbereitungen und die Organisation der Entdeckungsfahrten wurden vornehmlich von Infante D. Henrique, Heinrich der Seefahrer, geleitet. In Sagres an der Algarve war die Hohe Schule der Seefahrt. Immer neue Teile des afrikanischen Kontinents und Inselgruppen wurden entdeckt.

Lissabon wurde zum größten Umschlagsplatz für den Handel (vor allem Gewürze und Sklaven) zwischen Europa und dem gesamten Osten.

Das goldene Zeitalter der Entdeckungen, Anfang des 16. Jahrhunderts, spiegelt sich auch in dem Baustil (dem Manuelinischen Stil), mit der Darstellung von nautischen Motiven, die die Künstler der portugiesischen Geschichte inspiriert haben. Zeugen dieses Stils sind Batalha (in Mitte Portugal), der Turm von Belém und das Kloster von Jerónimos in Lissabon aber auch das manuelinische Fenster im Christuskloster in Tomar (Mitte Portugal). Besonders seit dem 17. Jahrhundert sind die Kacheln ein fester künstlerischer Bestandteil der Kirchen und Paläste Portugals.

Literarisch hat die Seefahrtszeit das portugiesische Nationalepos Lusíadas von Luís de Camões entstehen lassen.

Foto von Fernando Pessoa aus dem Jahr 1914Als Vertreter der Moderne ist hier Fernando Pessoa zu nennen. Fado, das portugiesische Lied, verleiht den Schwingungen der portugiesischen Seele die musikalische Gestalt.

»Ich genieße die Brise, die mir vergönnt ist, und die Seele, die man mir gab, um sie zu genießen, und ich hinterfrage und suche nicht weiter.«

(von Bernardo Soares, Heteronym von Fernando Pessoa)

oder

»Die Lieder der Portugiesen
Sind wie die Schiffe auf See-
Sie ziehen von Seele zu Seele
Und drohen unterzugehn«

(Fernando Pessoa)

Archäologische Funden beweisen auch, dass die Kelten, Westgoten, Römer und Araber im Land waren. Dies prägt auch die architektonische Vielfalt des Landes. In Conimbriga, bei Coimbra (Mitte Portugal) befindet sich die größte Ausgrabungsstätte römischer Ruinen in Portugal. Die 860jährige Geschichte des Landes ist eine Begegnung mit sehr unterschiedlichen Kulturen.

Die arabische Zivilisation hat eine entscheidende Prägung auf die portugiesische Lebensweise. Abhängig auch von den geographischen Kontrasten des Landes (im Norden gebirgig und im Süden flacher) blieben die Mauren, so wurden die Araber auch genannt, etwa eineinhalb Jahrhunderte im Norden und südlich vom Fluss Tejo ca. vier bis sechseinhalb Jahrhunderte. Diese Kontraste sind heute noch in Portugal zu spüren. Trotzdem wurden die Gegensätze unter einer Herrschaft vereint. 1249 ist die Eroberung abgeschlossen und bis zum heutigen Portugal wurden die Grenzen unwesentlich verändert. Portugal hat die stabilsten Landesgrenzen Europas.

Von den Mauren wurden Bewässerung in der Landwirtschaft, z. B. die Schöpfräder, die noch heute an der Algarve zu sehen sind, aber auch der Anbau von Zitrusfrüchten, Feigen, Mandelbäume (Mandelblüte!), Olivenhaine sowie der Reisanbau eingeführt. Silves war die ehemalige maurische Hauptstadt der Algarve. Die Burg erinnert an die maurische Epoche. Auch Alcácer do Sal oder Alfama in Lissabon stehen unter diesem Einfluss.

Die Verwendung von Ziegelsteinen, Kacheln, Stuck und geometrische Dekorationen kommt auch aus arabischen Einfluss. Der Königspalast von Sintra (nahe Lissabon) folgt dieser Tradition.

Zu erwähnen ist auch der Einfluss der arabischen Zivilisation auf die späteren Entdeckungsfahrten. Araber waren Experten in Astronomie, Philosophie, Mathematik, Geographie und Botanik. Arabische Geographen entwickelten nautische Instrumente, die später Basis für das berühmte Astrolabium, von den Portugiesen weiterentwickelt und unentbehrlich für die Seefahrten wurde.

Zwischen Portugal und England gab es immer sehr enge Beziehungen. In einem ende des 17. Jahrhunderts unterzeichneten Abkommen, sichert England dem portugiesischen Verbündeten militärische Hilfe (für die langandauernden Unabhängigkeitskriege gegen Spanien) zu. Das alte Bündnis vom 14. Jahrhundert wurde bestätigt. Hierfür musste Portugal wirtschaftliche Zugeständnisse machen, die England ermöglichten eine monopolartige Stellung zu erhalten. Diese ist bis Anfang des 20. Jahrhunderts behalten. Portugal exportierte Wein und importierte Textilien. Der Weinhandel, vor allem das Portweingeschäft, wurde immer stärker von den Engländern kontrolliert. Hier erinnern die Namen der Portweinkellereien in Porto noch an diesen Folgen (Sandemann, Taylor).

Gemälde von Marquês de PombalNach dem verheerenden Erdbeben in Lissabon (1755) lässt Marquês de Pombal die Hauptstadt wieder aufbauen. Er setzt umfassende Reformen durch, die das öffentliche Leben modernisieren sollen und die monopolartige Stellung Englands in Portugal und Brasilien konnte vorübergehend abgebaut werden.

Mit dem Gold aus Brasilien werden Anfang des 18. Jahrhunderts große Bauten errichtet: der Aquädukt Águas Livres in Lissabon, das Kloster in Mafra (Mitte Portugal), die Bibliothek in Coimbra und zahlreiche barocke Kirchen mit der sogenannten »talha dourada«. Auch im Kutschenmuseum in Lissabon kann man Staatskarossen dieser Zeit bewundern.

Durch die napoleonischen Kriege wurde der Aufschwung beendet. Das Königshaus floh nach Brasilien ins Exil und den Krieg dirigieren englische Generäle in Portugal. Die französische Invasion wird zurückgeschlagen. Die erste Republik wird 1910 ausgerufen. Im ersten Weltkrieg kämpft Portugal an der Seite Englands. Durch die weltweite Rezession der zwanziger Jahre ist Portugal am Rande des Staatsruins.

Foto von António de Oliveira SalazarIm Jahre 1932 beginnt Salazars Amtszeit als Ministerpräsident. Salazar, Professor für Nationalökonomie an der Universität in Coimbra, wurde zur Lösung der Finanzkrise in die Regierung berufen. Die Diktatur hatte eine kompetente Führerperson. Salazar unterstützt Franco während des spanischen Bürgerkrieges. Im zweiten Weltkrieg blieb Portugal neutral. Ein Gleichgewicht zwischen dem alten Bündnis mit England und die Sympathie für das faschistische Deutschland wurde erhalten. Lissabon wird zu einem der wichtigsten Häfen für fliehende Juden aus Europa. Die Einrichtung einer Luftwaffenbasis auf den Azoren wird erlaubt.

Der Militäraufstand am 25. April 1974 (die sog. Nelkenrevolution) stürzte die Diktatur. Die Entkolonialisierung beginnt und die nach-linke Militärregierung bereitet sich in Portugal auf die Demokratie vor. Für die neue Demokratie ist die Entkolonialisierung eine sehr hohe wirtschaftliche Belastung.

Seit 1986 ist Portugal Mitglied der Europäischen Union. Seitdem hat Portugal ein beschleunigtes Wachstum. Trotzdem bewahrt das Land die eigene Tradition und seinen größten Schatz: die Gastfreundschaft des Volkes und die große Offenheit gegenüber anderen Kulturen.

Es steht Ihnen, während Ihres Aufenthaltes in Portugal, eine Vielfalt an Möglichkeiten zur Verfügung: Sie können das Meer mit kulturellen Veranstaltungen und der Entdeckung von abwechslungsreichen Reiserouten verbinden. Hier stehen Ihnen moderne Infrastrukturen für den Tourismus und eine personalisierte, ausgesprochen traditionelle Form der Unterkunft zur Verfügung.

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